Das lebende Bild – Tableaux vivants

Bei einem Lebenden Bild werden Gemälde, Plastiken (Bildhauerei), Statuen oder eigens gestaltete Entwürfe durch lebende Personen nachgebildet. Lebende Bilder gibt es seit 1760 in Frankreich als Elemente von Theaterstücken. Die Figuren sind dabei für einige Augenblicke starr/ohne Bewegung – also unlebendig im lebendigen Bild. Das Vorbild muss dabei bekannt sein, damit das nachgestellte Bild erkannt wird.

Um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert wurden Lebende Bilder als spielerische Unterhaltungsform, wie beispielsweise bei Balletteinlagen oder als Gesellschaftsspiel, aufgeführt. Goethe beschäftigte sich schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit dem Begriff des Tableaux Vivants. Hierbei sagt er über die Entwicklung: „[…]tableaux: die Nachbildung eines gemalten Bildes durch wirkliche Personen. Sie fingen in Klöstern, bei Krippchen, Hirten und Drei-Königen an und wurden zuletzt ein gleichfalls für sich bestehender Kunstzweig, der manchen Liebhaber reizt und beschäftigt, auch sich einzeln schon auf dem Theater verbreitet hat […]“.  Das Lebende Bild war Bestandteil vieler Feste, die Goethe am Weimarer Hof arrangierte, und war zu dieser Zeit besonders beliebt.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts waren Tableaux Vivants auch in dem neuen Medium der Fotografie vertreten. Wohlhabende Bürger ließen sich hierbei als historische Nachbildungen fotografieren. Außerhalb des Theaters sind Lebende Statuen, häufig Straßenkünstler,  eine moderne Art der lebenden Bilder. Diese verharren oft ungewöhnlich lange in einer regungslosen Pose.

In der Fotografie wird der Begriff des Lebenden Bildes für eine gestellt wirkende, besonders symbolhafte Komposition verwendet, die an Historienmalerei erinnert. Laut dem Buch Tableaux vivants ist das Lebende Bild „ein Spiel mit den Grenzwerten, zwischen Schein und Wirklichkeit, Idee und Fleisch, zwischen bildender Kunst und dem Theatralen.“
Nach Barthes zeigen Theaterschauspieler, indem sie die Rolle eines Toten spielen, gleichzeitig etwas Lebendiges und etwas Totes – ebenso wie die Fotografie, die an sich etwas Lebloses ist, jedoch einen lebenden Menschen zeigt. Barthes vergleicht die Fotografie mit dem Theater, insbesondere mit dem Lebenden Bild. Die bildliche Darstellung des geschminkten Gesichtes kann als Metapher für das Foto gesehen werden, da dieses inszeniert ist und ebenso wenig der Realität entspricht, wie das geschminkte Gesicht.

 

Quellen:

Hrsg.: Folie, Sabine und Michael Glasmeier (2002) Tableaux vivants – Lebende Bilder und Attitüden in Fotografie, Film und Video. Wien: Kunsthalle

Ulfig, Alexander (1997) Lexikon der philosophischen Begriffe. (1. Auflage). Wiesbaden: Fourier

http://de.wikipedia.org/wiki/Tableaux_vivants

http://www.iaslonline.lmu.de/index.php?vorgang_id=2097

Sophie Blumberg, Julia Haller

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